Konflikte gehören zum Arbeitsalltag. Sie entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven, Werte oder Interessen aufeinandertreffen. Damit sind sie nicht nur unvermeidlich, sondern bieten auch Chancen: Sie fördern Diskussionen und eröffnen neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten. In der Praxis fühlen sich Konflikte trotzdem oft anstrengend oder sogar bedrohlich an – vor allem dann, wenn wir nicht wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen.
Heiße und kalte Konflikte verstehen
Heiße Konflikte
Heiße Konflikte sind häufig laut und emotional.
Zu den typischen Merkmalen zählen:
- Direkte Konfrontation: Intensive Diskussionen, hitzige Wortwechsel oder offene Auseinandersetzungen
- Hohe emotionale Beteiligung: Laute Reaktionen, veränderte Stimmlage, vielleicht sogar Tränen
- Angespannte Körpersprache: verstärkte Gestik oder vermehrtes Hin- und Herlaufen
Kalte Konflikte
Kalte Konflikte sind subtiler – und deutlich destruktiver, weil sie länger unbemerkt bleiben.
Typische Anzeichen können sein:
- Vermeidung: Beteiligte gehen sich aus dem Weg, sprechen kaum oder gar nicht mehr miteinander
- Passive Aggression: Verzögerung von Aufgaben, stille Blockaden, sarkastische Bemerkungen, scharfer Ton
- Nonverbale Signale: Angespannte Körperhaltung, Vermeidung von Blickkontakt, Zurückhaltung in Diskussionen
Was tun bei heißen und kalten Konflikten?
Heiße Konflikte
- Deeskalation zuerst: Wenn Emotionen hochkochen, bringt es wenig, sofort in die Diskussion einzusteigen. Stattdessen kannst du erst einmal benennen, was du wahrnimmst z. B. „Ich merke, dass das Thema mit vielen Emotionen verbunden ist.“ Auch eine kurze Pause kann helfen.
- Rahmen setzen: Damit alle Beteiligten zu Wort kommen und ihre Sichtweise schildern können, ist bei heißen Konflikten ein klar strukturiertes (und ggf. extern moderiertes) Gespräch sinnvoll. Mit dem Treffen von Gesprächsvereinbarungen könnt ihr zu Beginn eine gemeinsame Basis schaffen.
- Zuhören, wirklich zuhören: Aktives Zuhören bedeutet mit der Aufmerksamkeit bei der erzählenden Person zu bleiben. Gebe das Gesagte in eigenen Worten wieder, um sicherzustellen, dass du es richtig aufgefasst hast. Im Konflikt wollen wir uns gesehen und verstanden fühlen. Erst dann sind wir wieder in der Lage, die Perspektive zu wechseln und nach Lösungen zu suchen.
- Hinter die Positionen schauen: Worum geht es uns eigentlich? Welche Interessen und Bedürfnisse stecken hinter den Standpunkten? Wer die dahinterliegenden Themen erkennt, findet oft neue Lösungsmöglichkeiten.
- Falls nötig, Unterstützung einholen: Wenn der Konflikt im Team bereits stark verhärtet ist, trotz mehrfacher Gespräche keine Lösung gefunden wurde oder die Führungskraft selbst am Konflikt beteiligt ist, könnt ihr euch durch eine neutrale (externe) Moderation oder Mediation unterstützen lassen.
Kalte Konflikte
Ansprechen von Beobachtungen: Wenn in deinem Team Spannungen spürbar sind, aber in Meetings unausgesprochen bleiben, sprich sie zunächst in Einzelgesprächen an. Bleib bei beobachtbaren Wahrnehmungen statt Bewertungen. „Mir fällt auf, dass …“ erzeugt weniger Widerstand als „Du machst immer …“. Offene Fragen wie „Was beschäftigt dich gerade?“ oder „Wie kann ich dich unterstützen?“ laden zum Ansprechen ein.
Ursachen verstehen: Kalte Konflikte sind oft ungeklärte alte heiße Konflikte. Klärt gemeinsam, wo der Konflikt seinen Ursprung hat und was noch besprochen werden muss.
Sicheren Rahmen schaffen: Prüft vorab in Einzelgesprächen, wie ein ehrliches Gespräch ohne Angst vor Konsequenzen gelingen kann: Wer sollte dabei sein? Wer moderiert? Wie schaffen wir einen sicheren Rahmen?
Vertrauen aufbauen: Haltet den Prozess transparent: Was wird mit wem, wo und wann kommuniziert? Verlässlichkeit und das Einhalten von Vereinbarungen schaffen Vertrauen.
Psychologische Sicherheit stärken: Kalte Konflikte entstehen, wenn wenig Vertrauen besteht, offen sprechen zu können. Fördert das durch regelmäßiges, konstruktives Feedback, einen Lernfokus bei Fehlern und aktives Einholen unterschiedlicher Perspektiven. Nur wer sich ernst genommen fühlt, spricht Konflikte frühzeitig an.
Konflikte frühzeitig vermeiden: Was Teams zur Konfliktprävention tun können
Wichtige Stellschrauben für Teams:
- Teamvereinbarungen schaffen Klarheit: Was bedeutet für uns respektvolle Kommunikation? Wie gehen wir mit Kritik um? Solche Regeln helfen, Missverständnisse frühzeitig zu klären.
- Regelmäßige Reflexionen einplanen: In Retrospektiven oder Check-Ins können Themen frühzeitig angesprochen werden – bevor sie eskalieren. Fragen wie „Was lief gut, was war herausfordernd?“ fördern Offenheit.
- Feedback fest verankern: Wenn Feedback regelmäßig geübt wird, sinkt die Schwelle, auch kritische Themen anzusprechen. Wichtig dabei ist, sachlich und wertschätzend vorzugehen.
- Frühwarnzeichen ernst nehmen: Rückzug einzelner Personen, ironische Bemerkungen oder plötzliche Kommunikationsabbrüche sind oft erste Hinweise auf unterschwellige Konflikte.
Konfliktfähigkeit fördern: Was Organisationen beitragen können
Konkret heißt das:
- Mitarbeitende und Führungskräfte schulen: Durch Trainings zur Gesprächsführung, Konfliktmoderation oder zwischenmenschlicher Kompetenz können Mitarbeitende sicherer in heiklen Situationen agieren.
- Ansprechstellen benennen und ausbilden: Vertrauenspersonen im Unternehmen, die bei Bedarf unterstützen, deeskalieren oder an passende Stellen weitervermitteln, schaffen Sicherheit.
- Konflikte enttabuisieren und Psychologische Sicherheit fördern: Konflikte gehören zum Arbeiten dazu – entscheidend ist der Umgang damit. Mitarbeitende müssen das Gefühl haben, offen über ihre Herausforderungen sprechen zu können.
- Führung als Vorbild etablieren: Führungskräfte, die selbst konstruktiv mit Konflikten umgehen, Feedback aktiv einholen und transparent kommunizieren, prägen die Konfliktkultur nachhaltig.
Fazit
Konflikte sind ein Ausdruck von Unterschiedlichkeit und ein natürlicher Teil von Zusammenarbeit. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Wer heiße und kalte Konflikte unterscheiden kann, ist besser gerüstet, um die richtigen Schritte einzuleiten. Dabei sollten Verantwortliche nicht erst eingreifen, wenn es brennt. Je früher Konflikte bearbeitet werden, desto größer ist die Chance auf nachhaltige Lösungen, stärkere Beziehungen und Vertrauen im Team.