In unserer Arbeit mit Führungskräften hören wir häufig: „Bei uns kann eigentlich jede*r etwas sagen.“ Oder: „Ich behandle alle gleich.“ Dahinter steckt eine positive Absicht. Doch dieselbe Einladung, offen zu sprechen, bedeutet nicht, dass es für alle Menschen gleich einfach ist, sie anzunehmen.
Psychologische Sicherheit wird unterschiedlich erlebt
Psychologische Sicherheit lässt sich deshalb nicht allein daran messen, wie offen eine Führungskraft ihre Tür empfindet. Entscheidend ist auch, wie sicher Menschen sich tatsächlich fühlen, wenn sie hindurchgehen.
Gleichbehandlung ist deshalb nicht automatisch fair.
Warum Führungskräfte nicht alles wissen müssen und trotzdem handeln können
Wenn inklusive Führung vor allem als Wissen über Diversity-Kategorien vermittelt wird, entsteht schnell ein Katalog von Zuschreibungen: Menschen mit ADHS brauchen Struktur, Eltern brauchen Flexibilität, jüngere Mitarbeiter*innen wollen remote arbeiten.
Inclusive Leadership verlangt jedoch nicht, Menschen möglichst genau einzuordnen. Einige Informationen sind privat und gute Führung sollte nicht davon abhängen, dass Mitarbeiter*innen sie offenlegen. Die relevantere Frage lautet: Was soll und kann eine Person in ihrer Rolle leisten – und welche Bedingungen braucht sie, um das gut tun zu können?
Gute Führung braucht Informationen, keine Zuschreibungen

Was Inclusive Leadership von Design Thinking lernen kann
In Organisationen passiert häufig das Gegenteil: Maßnahmen werden für Menschen entwickelt, bevor ausreichend mit ihnen gesprochen wurde. Eltern brauchen bestimmt mehr Homeoffice. Neurodivergente Mitarbeiter*innen weniger Meetings. Ältere Beschäftigte Unterstützung bei digitalen Tools.
Solche Annahmen können stimmen. Manchmal gehen sie aber auch total an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei. Die interessante Haltung hinter Design Thinking lautet deshalb: zuhören, Annahmen überprüfen, Lösungen ausprobieren und anhand ihrer Wirkung weiterentwickeln – statt zu früh davon auszugehen, bereits zu wissen, was andere brauchen.
Empathie ist wichtig – Beteiligung ist besser
Diversity Thinking: Von einzelnen Bedürfnissen zum System
Diese Überlegungen sind auch ein Ausgangspunkt für Diversity Thinking, der Ansatz, der in unserem Buch „Diversity Thinking: Anleitung für eine feministische Arbeitskultur“ beschrieben wird.* Das Buch ist ein DIY-Handbuch für alle, die sich mit Macht, Teilhabe und Gerechtigkeit in Organisationen beschäftigen.
Es geht also nicht darum, für jede Diversity-Kategorie die passende Standardlösung zu kennen. Organisationen sollen vielmehr lernen, immer wieder selbst herauszufinden, wo unterschiedliche Bedürfnisse und Barrieren bestehen und wie sie darauf reagieren können.
Inclusive Leadership ist eine Gestaltungskompetenz
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Inclusive Leadership lernen und strukturell verankern
Diese Ebene greifen wir in unserem Buch zu Diversity Thinking auf: Wie lässt sich Diversity als Haltung, Prozess und Methodenkoffer in Organisationen verankern?
Beides gehört zusammen: Führungskräfte, die Unterschiedlichkeit besser gestalten – und Organisationen, die dafür die richtigen Strukturen schaffen.



