Laterale Führung: Erfolgreich führen ohne disziplinarische Verantwortung

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25. August 2025

Laterale Führung gewinnt in Organisationen zunehmend an Bedeutung – besonders dort, wo Zusammenarbeit ohne formale Weisungsbefugnis gelingen muss. Dieser Artikel erklärt, welche Kompetenzen und Rahmenbedingungen dafür entscheidend sind, von klaren Rollen und gelungener Kommunikation bis hin zu Konfliktfähigkeit, Selbstführung und dem Aufbau von Vertrauen.

Warum laterale Führung so wichtig ist

Projekte werden komplexer, Teams arbeiten über Abteilungs- und Ländergrenzen hinweg zusammen und Hierarchien werden flacher. Das ist die Realität der modernen Arbeitswelt. In diesem Konstrukt kommt laterale Führung immer häufiger zum Einsatz. Sie bedeutet Führen ohne formale Weisungsbefugnis. Statt auf Hierarchie setzt laterale Führung auf Vertrauen, Kommunikation und Zusammenarbeit.

Immer mehr Mitarbeitende übernehmen in Projekten, Transformationsteams oder agilen Kontexten Führungsaufgaben, ohne eine formale Führungsrolle innezuhaben. Damit laterale Führung gelingt, braucht es ein klares Verständnis über die Erfolgsfaktoren – und diese schauen wir uns in diesem Blogartikel an.

Was laterale Führung ausmacht

 

Laterale Führung beschreibt das Führen auf Augenhöhe, bei dem nicht die Position, sondern die Fähigkeit zur Kooperation den Ausschlag gibt. Erfolgreiche laterale Führungskräfte überzeugen durch Argumente, Fachwissen, Persönlichkeit und Beziehungsmanagement.

Einige typische Situationen, in denen laterale Führung gefragt ist:

  • Leitung von Projekten oder Transformationsteams
  • Fachliche Verantwortung in Matrixorganisationen
  • Steuerung von Arbeitsgruppen in Veränderungsprozessen
  • Zusammenarbeit in agilen Teams ohne formale Hierarchie

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In all diesen Kontexten sind Mittel wie Anweisungen oder Kontrolle wenig hilfreich. Stattdessen geht es darum, Menschen für gemeinsame Ziele zu gewinnen.

Praxisbeispiele aus dem Arbeitsalltag

 

  • Projektleitung in der Produktentwicklung: Eine Ingenieurin führt ein interdisziplinäres Team aus Marketing, IT und Produktion. Ihre Aufgabe: alle Perspektiven zusammenbringen und Konflikte konstruktiv lösen, obwohl sie niemandem direkt vorgesetzt ist.

  • Transformationsteam in einem Konzern: Mitarbeitende aus unterschiedlichen Abteilungen sollen gemeinsam eine neue Software implementieren. Die laterale Führungskraft muss Vertrauen schaffen und für Klarheit sorgen, damit alle an einem Strang ziehen.

  • Agile Zusammenarbeit im Start-Up: Hier wechselt die Führungsverantwortung je nach Projekt. Laterale Führung bedeutet, situativ Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig offen zu bleiben für die Expertise anderer.
Diese Beispiele zeigen: Laterale Führung ist kein Randthema, sondern gelebter Alltag in vielen Organisationen

Erfolgsfaktoren lateraler Führung

Damit laterale Führung funktioniert, braucht es bestimmte Kompetenzen und Rahmenbedingungen.

1. Klarheit über Rolle und Ziele

Gerade ohne disziplinarische Verantwortung ist es entscheidend, die eigene Rolle im Team eindeutig zu definieren. Wer klar benennt, wofür er oder sie verantwortlich ist, und welche Ziele erreicht werden sollen, schafft Orientierung. Ebenso wichtig ist es, Aufgaben und Zuständigkeiten transparent abzugrenzen. So werden Missverständnisse vermieden und die Basis für vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt.

2. Kommunikation und Beziehungsgestaltung

Laterale Führung lebt von gelungener Kommunikation auf Augenhöhe. Das bedeutet, aktiv zuzuhören, offene Fragen zu stellen und echtes Interesse an den Perspektiven anderer zu zeigen. Konstruktives Feedback – sowohl geben als auch annehmen – ist ein weiteres zentrales Element. Ebenso entscheidend: Konflikte frühzeitig ansprechen, bevor sie das Miteinander belasten. Wer Beziehungen bewusst pflegt und Vertrauen aufbaut, kann auch ohne formale Weisungsbefugnis Einfluss nehmen.

3. Konfliktfähigkeit

Wo verschiedene Interessen und Sichtweisen aufeinandertreffen, entstehen unweigerlich Spannungen. Laterale Führungskräfte sollten Konflikte nicht vermeiden, sondern als Chance für Weiterentwicklung begreifen. Das bedeutet, aktiv nach Lösungen zu suchen, die für alle Beteiligten tragfähig sind, und dabei eine offene Gesprächskultur zu fördern. So können Konflikte produktiv genutzt werden, um Prozesse und Zusammenarbeit im Team zu verbessern.

4. Selbstführung

Wer andere ohne hierarchische Autorität führt, muss zunächst in der Lage sein, sich selbst gut zu steuern. Dazu gehört die Fähigkeit zur Selbstreflexion: Welche Wirkung habe ich auf andere? Welche Stärken und Schwächen bringe ich mit? Ebenso zentral sind Stressmanagement und ein gutes Zeit- und Prioritätenmanagement. Nur wer sich selbst organisiert und handlungsfähig bleibt, kann andere zuverlässig begleiten.

5. Vertrauen und psychologische Sicherheit

Ein zentrales Fundament lateraler Führung ist das Gefühl von Sicherheit im Team. Psychologische Sicherheit bedeutet, dass jedes Teammitglied offen sprechen kann, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Laterale Führungskräfte können dies unterstützen, indem sie transparent kommunizieren, Entscheidungen nachvollziehbar machen und Zusagen zuverlässig einhalten. So entsteht ein Klima, in dem Vertrauen wachsen und Zusammenarbeit erfolgreich gestaltet werden kann.

Methoden und Tools für die Praxis

Damit die Erfolgsfaktoren nicht abstrakt bleiben, hier einige erprobte Methoden, die laterale Führung stärken:

  • Fragetechnik: Statt Anweisungen zu geben, durch gezielte Fragen zu Klarheit und Eigenverantwortung anregen. 
  • Aktives Zuhören: Wiederholen, was man verstanden hat, um Missverständnisse zu vermeiden. 
  • Feedbackregeln: Beschreiben statt bewerten („Mir ist aufgefallen, dass…“). 
  • Moderationstechniken: Gespräche strukturieren, Ergebnisse festhalten, Konsens sichtbar machen. 
  • Reflexion: Eigene Rolle und Wirkung regelmäßig überprüfen. 

Herausforderungen und wie man sie überwindet

 

Laterale Führung ist anspruchsvoll – sie bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich:

1. Fehlende Akzeptanz

Manche Teammitglieder akzeptieren keine Führung ohne Hierarchie. Hier hilft: Transparenz schaffen, Nutzen der Zusammenarbeit betonen und durch Fachlichkeit überzeugen.

2. Widerstände im Team

Unterschiedliche Interessen können zu Blockaden führen. Lösung: Konflikte ansprechen, gemeinsame Ziele betonen, unterschiedliche Perspektiven aktiv nutzen.

3. Virtuelle Zusammenarbeit

In verteilten Teams fehlt oft die persönliche Nähe. Vertrauen lässt sich aber auch digital aufbauen – durch regelmäßige Check-ins, transparente Kommunikation und klare Absprachen.

Laterale Führung als Erfolgsfaktor für Organisationen

Laterale Führung ist mehr als eine individuelle Kompetenz – sie ist ein Schlüsselfaktor für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen. Sie ermöglicht Zusammenarbeit über Hierarchiegrenzen hinweg und schafft die Basis für Innovation und Veränderung. Ob agile Transformation, cross-funktionale Projekte oder Innovation: Ohne wirkungsvolle laterale Führung kommen viele Teams nicht ans Ziel.

Zur Stärkung lateraler Führung sind klare Rollen, offene Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Selbstführung und Vertrauen entscheidend. Mit den richtigen Methoden und Trainings können Mitarbeitende lernen, auch ohne disziplinarische Verantwortung wirksam zu führen. Für Personalentwickler*innen bedeutet das: Laterale Führung sollte ein fester Bestandteil in Entwicklungsprogrammen sein. Trainings, Coachings und digitale Lernangebote können Mitarbeitende gezielt dabei unterstützen, diese Kompetenz aufzubauen.
Lynn Tamberger
L&D Consultant
Lynn Tamberger ist L&D Consultant bei troodi mit einschlägiger Erfahrung in den Bereichen Content-Konzeption, Projektmanagement und Kommunikation. Ihr Fokus liegt auf der Entwicklung moderner Lernformate und der Begleitung von Organisationen in Veränderungsprozessen. Besonders interessiert sie sich für digitales Lernen, persönliche Entwicklung und die Frage, wie Zusammenarbeit zukunftsfähig gestaltet werden kann.

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