Personalentwickler*innen, die sich intensiver mit digitalen und auch analogen Lernformaten befassen, stehen früher oder später vor einer zentralen Frage: Wie können Blended Learning-Angebote gestaltet werden, um einen nachhaltigen Lernerfolg bei der Zielgruppe zu gewährleisten?
Lernziele klar zu definieren ist dabei einer der wichtigsten E-Learning Erfolgsfaktoren. Denn nur wenn wir wissen, welche Kompetenzen Lernende am Ende tatsächlich entwickeln sollen, können wir Inhalte, Methoden und Medien sinnvoll auswählen.
Die klassische Bloom’s Taxonomy hat in diesem Zusammenhang in der E-Learning Didaktik lange Zeit Maßstäbe gesetzt. Sie stößt jedoch an ihre Grenzen, wenn es um die Entwicklung von Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Führung oder Persönliche Entwicklung geht, da sie einen starken Fokus auf den rein kognitiven Aspekt der Kompetenzentwicklung legt. Genau an diesem Punkt setzt die Taxonomy of Significant Learning von L. Dee Fink an – ein Instructional Design Framework, das auch emotionale und zwischenmenschliche Aspekte berücksichtigt.
Bestandsaufnahme: situative Faktoren berücksichtigen
Bevor Personalentwickler*innen Lernziele definieren und das Lernangebot konzipieren, sollten sie zunächst die situativen Faktoren betrachten:

- Wer ist die Zielgruppe?
- Welche Vorerfahrungen bringen die Lernenden mit?
- In welchem Kontext wird gelernt – berufsbegleitend, im Führungskräfteprogramm, im Onlinekurs?
- Welche Erwartungen haben Organisation und Lernende?
Diese Fragen helfen dabei, die Lernbedarfe zu analysieren und Lernangebote so zu konzipieren, dass sie zu den realen Anforderungen passen. Ein Onlinekurs für junge Führungskräfte sieht daher ganz anders aus als ein Kommunikationstraining für erfahrene Projektleiter*innen. Je nach Ausgangssituation kann das Lernangebot auf diese Weise individuelle Lernbedarfe berücksichtigen.
Fink’s Taxonomy: Die sechs Dimensionen des wirksamen Lernens
Um erfolgreich zu sein, berücksichtigt ein Lernangebot laut Fink sechs Dimensionen, die alle gleichwertig nebeneinanderstehen. Je nach Thema, Lernziel und Ausrichtung des Angebots werden diese unterschiedlich stark gewichtet.
- Foundational Knowledge: grundlegendes Wissen und Verständnis
- Application: konkrete Anwendung und Fähigkeiten (kritisch, kreativ, praktisch)
- Integration: Verknüpfungen herstellen zwischen Themen und Ideen, eigene Konzepte ableiten
- Human Dimension: sich selbst besser verstehen und mit anderen interagieren
- Caring: Einstellungen, Werte und Interessen entwickeln
- Learning How to Learn: lernen, wie man lernt und sich selbst weiterentwickelt
Die Dimensionen können sich gegenseitig beeinflussen. Wer Anwendung trainiert, reflektiert automatisch auch über sich selbst (Human Dimension) oder Werte (Caring).
Für die Weiterbildung im Bereich Kommunikation, Führung und Persönliche Entwicklung sind vor allem die Dimensionen Application, Integration, Human Dimension und Caring zentral. Foundational Knowledge sollte jedoch nicht vernachlässigt werden. So ist das Wissen über Konzepte und Kommunikationsmodelle oft eine wichtige Grundlage, um das eigene Kommunikationsverhalten zu verstehen und zu reflektieren.
Grundlage für erfolgreiche Blended Learning Konzeption: Lernziele entwickeln
Klar formulierte Lernziele sind die Grundlage für wirksames E-Learning oder Blended Learning. Sie bestimmen, wie ein Lernprogramm aufgebaut ist, welche Inhalte ausgewählt werden und welche Methoden zum Einsatz kommen. Ohne klare Ziele fehlt der rote Faden – und der Lernerfolg bleibt oft hinter den Erwartungen zurück.
Zunächst werden also Lernziele oder Kompetenzerwartungen für das Lernangebot formuliert. Hierfür werden die sechs Dimensionen des wirksamen Lernens herangezogen.
Als übergeordnetes Lernziel empfiehlt sich eine Orientierung an der Dimension Application: Was sollten Lernende nach Absolvieren des Lernangebots konkret besser können als vorher? Auf dieser Basis können nachgelagerte Folgeziele aus den anderen Dimensionen abgeleitet werden. Dabei helfen, ähnlich wie bei Bloom’s Taxonomy, passende Verbtabellen.
Beipiel:
Übergeordnetes Lernziel
Teilziele
Vom Ziel zur Umsetzung: Methoden für wirksames Blended Learning
Damit Lernziele nicht abstrakt bleiben, müssen sie sich auch in den Lernmedien widerspiegeln. Jedes einzelne Medium – ob Video, Übung, Quiz oder Reflexionsaufgabe – sollte ein eigenes Lernziel erhalten, das sich an den Dimensionen und den übergeordneten Zielen des gesamten Lernangebots orientiert.
So entsteht ein Alignment zwischen Teil-Lernzielen und Gesamtzielen. Das sichert Konsistenz, hilft E-Learning Inhalte zu strukturieren und Lernmedien passend auszuwählen.
In einem zielführenden Blended Learning Design können verschiedene Methoden kombiniert werden: digitale Lernmodule für Wissensvermittlung, Live-Sessions für Interaktion und Reflexion, praxisnahe Projekte für die Anwendung. Das stärkt die Wirksamkeit und hilft, nachhaltiges Lernen zu ermöglichen.
Rollenspiele und Simulationen im E-Learning, um Application und Integration in einer frühen Phase zu fördern
Peer-Feedback und Gruppenaufgaben, um Caring durch Austausch erlebbar zu machen
Reflexionsaufgaben und Journaling, um die Human Dimension zu stärken
Transferaufgaben, um Application und Integration mit größerer Praxisnähe zu unterstützen

In Blended Learning Journeys von troodi werden digitale Lernprogramme und Live-Sessions mit erfahrenen Trainer*innen kombiniert. Darüber hinaus sind Transferaufgaben zur konkreten Anwendung zwischen den Selbstlernphasen und Live-Sessions ein wichtiger Teil der Lernreise. Peer-Sessions zur Zusammenarbeit mit einem Lernpartner oder einer Lernpartnerin sowie Community-Sessions zum gegenseitigen Austausch sind weitere wichtige Bestandteile.
Fazit: Blended Learning erfolgreich gestalten mit Fink’s Taxonomy
Fink’s Taxonomy ist weit mehr als eine Liste von Lernzielen – sie ist ein Framework für digitales und analoges Lernen, das ganzheitliche Kompetenzentwicklung ermöglicht. Wer situative Faktoren beachtet, übergeordnete Lernziele auf Basis der sechs Dimensionen formuliert und diese konsequent auf einzelne Lernmedien herunterbricht, schafft Best Practices für didaktisch durchdachte Blended Learning-Konzepte.
Gerade in den Bereichen Kommunikation, Führung und Persönliche Entwicklung zeigt sich: Mit Fink’s Taxonomy lassen sich Lernangebote gestalten, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Haltungen verändern und so nachhaltige Wirkung entfalten.
Einen Einblick in unsere bisherigen Projekte erhältst du außerdem in unseren Case Studies.



