Personalentwicklung steht heute vor einer neuen Rolle. Während früher vor allem Trainings organisiert wurden, geht es heute stärker darum, Organisationen in ihrer Zukunftsfähigkeit zu unterstützen.
Viele Unternehmen bewegen sich aktuell in einem Umfeld aus wirtschaftlicher Unsicherheit, Kostendruck und kontinuierlichem Wandel. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz verändern Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Mitarbeitende und Führungskräfte. Orientierung geben, Entscheidungen treffen und mit Unsicherheit umgehen gehört zunehmend zum Alltag.
Genau hier kommt Learning & Development ins Spiel. L&D entwickelt sich vom Trainingsanbieter hin zu einem strategischen Partner, der Organisationen dabei unterstützt, sich an neue Anforderungen anzupassen und langfristig leistungs- und zukunftsfähig zu bleiben.
Der troodi L&D Trend Report 2026 zeigt, welche Herausforderungen dabei besonders relevant sind und welche Rolle L&D in diesem Kontext einnehmen kann.
Die größten Herausforderungen für L&D in wirtschaftlich volatilen Zeiten
Die Ergebnisse des Trend Reports verdeutlichen, dass L&D Teams aktuell mit mehreren zentralen Spannungsfeldern umgehen müssen.

Ein zentrales Thema ist die Etablierung einer aktiven Lernkultur. Organisationen brauchen Mitarbeitende, die eigenverantwortlich lernen und sich kontinuierlich weiterentwickeln. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass Lernen häufig noch nicht selbstverständlich in den Arbeitsalltag integriert ist. L&D steht hier vor der Aufgabe, passende Rahmenbedingungen zu schaffen und Lernen stärker in die tägliche Arbeit einzubetten.
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Nachweis von Wirksamkeit. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wird genauer hinterfragt, welchen Beitrag Lernangebote zum Unternehmenserfolg leisten. L&D muss stärker zeigen, wie Maßnahmen die Leistungsfähigkeit von Teams unterstützen und zur Bewältigung von Veränderungen beitragen.
Hinzu kommt steigender Kostendruck. Budgets sind begrenzt, gleichzeitig bleiben die Anforderungen hoch. Das führt dazu, dass Programme klar priorisiert, stärker an strategischen Themen ausgerichtet und effizient skalierbar gestaltet werden müssen.
Gleichzeitig wächst die Erwartung an L&D, aktiv zur Zukunftsfähigkeit der Organisation beizutragen. Neben der Förderung von Selbstlernkompetenz rückt dabei zunehmend die gezielte Entwicklung konkreter Fähigkeiten in den Fokus. Skill-basierte Ansätze gewinnen an Bedeutung und ergänzen klassische Lernformate.

Wie L&D Organisationen konkret unterstützen kann
Der Trend Report zeigt mehrere zentrale Hebel, mit denen L&D Organisationen in volatilen Zeiten wirksam unterstützen kann.
Veränderungskompetenz und Resilienz stärken
Der am häufigsten genannte Beitrag von L&D liegt im Aufbau von Kompetenzen im Umgang mit Veränderung. Mitarbeitende und Führungskräfte müssen lernen, mit Unsicherheit umzugehen, Veränderungen aktiv zu gestalten und sich schneller auf neue Anforderungen einzustellen.
Das kann durch Change-Leadership Programme, Lernimpulse zu Transformationsthemen oder gezielte Reflexionsräume unterstützt werden, in denen Erfahrungen eingeordnet und übertragen werden.
Unternehmensstrategie in den Arbeitsalltag übersetzen
L&D spielt eine wichtige Rolle dabei, strategische Themen greifbar zu machen. Lern- und Austauschformate können helfen, komplexe Unternehmensziele verständlich zu vermitteln und in konkrete Handlungsansätze für Teams zu übersetzen.
So wird Strategie nicht nur kommuniziert, sondern im Arbeitsalltag verankert.
Skills systematisch analysieren und entwickeln
Ein weiterer zentraler Hebel ist die systematische Entwicklung von Kompetenzen. Dazu gehört, relevante Skills zu definieren, bestehende Lücken sichtbar zu machen und gezielte Lernpfade abzuleiten.
Im Fokus stehen dabei unter anderem Future Skills, KI-Kompetenzen und Führungskompetenzen. Ziel ist es, Entwicklung nicht dem Zufall zu überlassen, sondern strukturiert zu gestalten.
Effizienz im Arbeitsalltag steigern
L&D kann zudem dazu beitragen, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten. Kurze, problemorientierte Lernformate, gezielte Prozessschulungen oder Austauschformate für Best Practices helfen dabei, Reibungsverluste im Alltag zu reduzieren.
Gleichzeitig gewinnt der Aufbau skalierbarer Lernlösungen an Bedeutung. Inhalte werden so aufbereitet, dass sie für größere Zielgruppen zugänglich sind und gleichzeitig flexibel an unterschiedliche Kontexte angepasst werden können.
Strategische Verankerung: Warum Alignment entscheidend ist
Ob L&D seine Rolle als strategischer Partner erfüllen kann, hängt stark davon ab, wie eng die Aktivitäten mit den Unternehmenszielen verknüpft sind.
Die Ergebnisse des Trend Reports zeigen ein gemischtes Bild. In 41,2 % der Organisationen ist L&D klar an der strategischen Steuerung ausgerichtet. 22,7 % berücksichtigen Unternehmensziele zumindest teilweise. Gleichzeitig arbeitet knapp ein Drittel ohne klar ausformulierte L&D Strategie.

Diese Unterschiede haben direkte Auswirkungen auf die Wirksamkeit. Ohne strategisches Alignment bleibt L&D häufig operativ und reaktiv. Mit einer klaren Ausrichtung kann L&D dagegen gezielt dazu beitragen, zentrale Unternehmensziele zu unterstützen.
Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Führungskräften und Fachbereichen. Erst wenn strategische Ziele, operative Herausforderungen und Lerninitiativen miteinander verzahnt sind, entsteht echter Mehrwert.
Die Chance für L&D
Learning & Development bewegt sich aktuell in einem Spannungsfeld aus wirtschaftlicher Unsicherheit, technologischen Veränderungen und steigenden Erwartungen an Wirksamkeit.
Gleichzeitig eröffnet genau dieses Umfeld eine große Chance. Wenn es gelingt, Lerninitiativen konsequent an strategischen Zielen auszurichten, Kompetenzen systematisch aufzubauen und wirksame Lernformate einzusetzen, kann L&D zu einem zentralen Partner für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen werden.
Der Schlüssel liegt darin, Personalentwicklung nicht als Einzelmaßnahme zu verstehen, sondern als kontinuierlichen Prozess. So entsteht Entwicklung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern langfristig Wirkung entfaltet.



