Schwierige Botschaften übermitteln

Icon_Calendar

6. November 2025

Führungskräfte können schwierige Botschaften so übermitteln, dass Klarheit, Empathie und Vertrauen erhalten bleiben. Vorbereitung, Haltung, strukturierte Gesprächsführung und Reflexion bilden die Grundlage für souveränes Handeln in herausfordernden Situationen und stärken die Zusammenarbeit im Team.

Warum fällt es uns so schwer, schwierige Botschaften zu übermitteln?

Ob es um eine unangenehme Rückmeldung, eine Rollenveränderung oder den Abschied von Mitarbeitenden geht – früher oder später steht jede Führungskraft vor der Aufgabe, eine schwierige Botschaft zu übermitteln. Und genau hier entsteht innere Spannung: Einerseits willst du ehrlich und klar kommunizieren. Andererseits möchtest du deine Gegenüber nicht verletzen oder das Vertrauen gefährden.

Diese Ambivalenz ist menschlich und zeigt, wie sehr wir uns wünschen, gute Beziehungen aufrecht zu halten. Gleichzeitig gehört es zu verantwortungsvoller Führung, auch dann Klarheit zu schaffen, wenn sie unbequem ist.

Ziel dieses Artikels ist es, dir Impulse zu geben, wie du solche Situationen bewusst gestaltest – mit Klarheit, Empathie und ohne dich selbst zu verlieren

Vor dem Gespräch: Haltung und bewusste Vorbereitung

Ein schwieriges Gespräch beginnt lange, bevor du den Raum betrittst. Die Art, wie du dich vorbereitest, beeinflusst, wie klar, ruhig und authentisch du wirkst.

Selbstreflexion als Ausgangspunkt

Frage dich ehrlich: Was macht dieses Gespräch für mich schwierig?

Oft steckt mehr dahinter als der Inhalt selbst, vielleicht ein persönlicher Wert, der betroffen ist, oder die Sorge, abgelehnt zu werden. Indem du diese Emotionen wahrnimmst, kannst du sie besser einordnen, statt sie im Gespräch unbewusst mitzunehmen. Auch kleine mentale Routinen helfen: kurz innehalten, tief atmen, Haltung aufrichten. So schaffst du Abstand zu deiner eigenen Anspannung – nicht zum Thema, sondern zu deiner inneren Nervosität.

Vorbereitung und Klarheit schaffen

Bereite dich auf das Gespräch vor, indem du die Kernbotschaft in einem Satz formulierst.

  • Was soll am Ende klar sein?
  • Welche Punkte sind dir besonders wichtig?
  • Und was willst du vermeiden, weil es nur ablenken würde?
Ein bewusster Rahmen unterstützt dich zusätzlich: Wähle einen ruhigen, vertraulichen Ort. Plane genügend Zeit ein, damit dein Gegenüber die Informationen aufnehmen kann. Ein klarer Einstieg und ein respektvoller Abschluss sorgen für Orientierung und Sicherheit.

Emotionale Dynamik verstehen

Jede Botschaft löst etwas aus. Menschen reagieren auf Veränderungen meist nicht linear, sondern in emotionalen Phasen – vom ersten Schock bis hin zur Akzeptanz. Hier hilft es, dir bewusst zu machen, dass starke Emotionen kein Zeichen von Schwäche sind, sondern Teil des Verarbeitungsprozesses.

Die Veränderungskurve verdeutlicht, warum Ruhe, Geduld und Empathie im Gespräch so entscheidend sind. Wer diese Dynamik versteht, kann besser einschätzen, wann Zuhören wichtiger ist als Erklären.

Struktur als innere Orientierung

Gerade in emotionalen Momenten gibt eine klare Struktur Halt. Es hilft, sich vorab über Einstieg, Kernbotschaft und Abschluss bewusst zu werden, ohne dabei starr einem Leitfaden zu folgen.

Die Gesprächsraute erinnert daran, dass jedes Gespräch eine Dramaturgie hat: vom bewussten Einstieg über den klaren Kern bis zum respektvollen Abschluss.

 

Wenn du mehr über Phasen der Veränderungsbewältigung und die emotionale Change-Kurve erfahren möchtest, schau dir gerne unseren Blogartikel zu Veränderungskompetenz an.

Während des Gesprächs: Klarheit trifft Empathie

Im Gespräch selbst zeigt sich, wie Haltung und Vorbereitung zusammenwirken.

Ehrlichkeit als Zeichen von Respekt

 

Freundlichkeit bedeutet nicht, unangenehme Wahrheiten weichzuspülen. Sie zeigt sich darin, ehrlich zu bleiben und trotzdem empathisch zu kommunizieren. Menschen spüren, wenn etwas beschönigt wird und verlieren dann eher das Vertrauen.

Präsenz und Ruhe behalten

Deine Stimme, Körperhaltung und Blickrichtung senden starke Signale. Eine ruhige, zugewandte Präsenz vermittelt Sicherheit – selbst, wenn du keine angenehme Botschaft überbringst. Bleib bei deinem Gegenüber, auch wenn Emotionen aufkommen. Es geht nicht darum, sie „zu lösen“, sondern sie anzuerkennen.

Emotionen zulassen, Grenzen wahren

Vielleicht reagiert dein Gegenüber mit Traurigkeit, Wut oder Rückzug. All das ist normal. Achte darauf, dass du empathisch bleibst, aber deine Rolle als Gesprächsführende*r nicht verlierst. Vertrauen entsteht, wenn du beides zeigen kannst: Verständnis und Klarheit.

Wenn du merkst, dass Emotionen das Gespräch überlagern, kann eine Pause oder die Vereinbarung eines Folgetermins helfen. Oft ist es sinnvoller, Raum zum Verarbeiten zu geben, als auf eine sofortige Reaktion zu drängen

Nach dem Gespräch: Vertrauen erhalten

Ein schwieriges Gespräch endet nicht mit dem letzten Satz. Es wirkt nach, für deinen Gegenüber und für dich selbst.

Orientierung geben

Fasse am Ende die wichtigsten Punkte noch einmal ruhig zusammen. So stellst du sicher, dass keine Missverständnisse bleiben. Ein kurzes Nachgespräch oder eine schriftliche Zusammenfassung können helfen, Orientierung zu geben.

Ansprechbar bleiben

Selbst wenn die Botschaft endgültig ist, signalisiert deine Haltung: Ich bleibe im Kontakt. Ein offenes Ohr oder ein kurzer Check-in einige Tage später zeigen, dass du Verantwortung übernimmst. Nicht nur für das, was du gesagt hast, sondern auch für das Wie.

Eigene Reflexion

Auch für dich lohnt sich ein kurzer Blick zurück:

  • Was ist dir gelungen?
  • Wo warst du unsicher?
  • Welche Reaktion hat dich überrascht?
Diese Reflexion stärkt deine Souveränität für kommende Gespräche und hilft, Muster zu erkennen.

Wenn viele betroffen sind: Kommunikation im Team

Manchmal betrifft eine Botschaft nicht nur eine einzelne Person, sondern ein ganzes Team. Solche Situationen erfordern besondere Aufmerksamkeit.

Kläre im Vorfeld, welche Informationen bereits gesichert sind und welche noch offenstehen. Überlege dir, wer wann was erfahren sollte, die Reihenfolge kann entscheidend sein. Je transparenter du hier vorgehst, desto eher bleibt das Vertrauen erhalten.

Während der Verkündung gilt: sprich klar, vermeide Bewertungen und bleibe bei den Fakten. Gib anschließend Raum für Rückfragen oder kurze Austauschphasen, damit Emotionen ihren Platz finden. Führung bedeutet in solchen Momenten vor allem, Orientierung zu geben, du musst nicht alle Antworten parat haben.

Schwierige Botschaften mit Haltung und Klarheit

Schwierige Gespräche gehören zum Arbeitsalltag. Sie sind kein Zeichen von Scheitern, sondern Ausdruck von Verantwortung. Wer Haltung, Klarheit und Empathie verbindet, kann selbst in herausfordernden Momenten Vertrauen stärken. Klarheit erfordert Mut und ist eine Form von Wertschätzung.

Unser Lernprogramm „Schwierige Botschaften übermitteln“ geht näher darauf ein, wie solche Situationen noch bewusster und souveräner gestaltet werden können. Teilnehmende vertiefen hier, wie sie Haltung, Sprache und Struktur gezielt verbinden, um auch in emotionalen Momenten klar zu bleiben. Schau dir den Trailer an und komm bei Interesse gerne auf uns zu!

Philip Klasen-Schwidetzki
Gründer & Geschäftsführer
Philip Klasen-Schwidetzki hat fast 15 Jahre Erfahrung als Trainer, Berater und Coach in der Personal- und Organisationsentwicklung. Sein Fokus liegt vor allem in der Kulturentwicklung und Führung. Als Geschäftsführer von troodi setzt er sich dafür ein, Organisationen gezielt und nachhaltig zu unterstützen und das volle Potenzial ihrer Mitarbeitenden zu entfalten. Philips akademischer Hintergrund liegt in den Sozialwissenschaften und seine berufliche Laufbahn hat er im Projektmanagement der Entwicklungszusammenarbeit, der Konfliktforschung und der Katastrophenhilfe begonnen.

Other interesting blog posts

L&D Fokusthema 2026: Führungskompetenzen

L&D Fokusthema 2026: Führungskompetenzen

Führungskompetenzen stehen 2026 im Fokus der Personalentwicklung. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Führung Orientierung geben kann, ohne Verantwortung und Innovationskraft im Team zu verlieren. Moderierende Führung kann hier eine Antwort bieten.

Blended Learning wirksam machen: Fink’s Taxonomy of Significant Learning

Blended Learning wirksam machen: Fink’s Taxonomy of Significant Learning

Blended Learning lässt sich mit Fink’s Taxonomy of Significant Learning so gestalten, dass neben Wissen auch Haltungen, soziale Fähigkeiten und persönliche Kompetenzen nachhaltig entwickelt werden. Klare Lernziele, situative Analysen und die sechs Dimensionen nach Fink bilden dabei die Grundlage für wirksame Lernangebote in den Bereichen Kommunikation, Führung und Persönlichkeitsentwicklung.

Laterale Führung: Erfolgreich führen ohne disziplinarische Verantwortung

Laterale Führung: Erfolgreich führen ohne disziplinarische Verantwortung

Laterale Führung gewinnt in Organisationen zunehmend an Bedeutung – besonders dort, wo Zusammenarbeit ohne formale Weisungsbefugnis gelingen muss. Dieser Artikel erklärt, welche Kompetenzen und Rahmenbedingungen dafür entscheidend sind, von klaren Rollen und gelungener Kommunikation bis hin zu Konfliktfähigkeit, Selbstführung und dem Aufbau von Vertrauen.