Mentale Gesundheit und Resilienz in Organisationen stärken
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27. März 2024

Für Organisationen wird es immer wichtiger, sich mit der Förderung der mentalen Gesundheit und Resilienz ihrer Mitarbeitenden auseinanderzusetzen. Was können Personalverantwortliche tun, um ihre Mitarbeitenden dahingehend zu unterstützen?

Unsere Arbeitswelt ist von einem stetigen Tempo und steigenden Anforderungen geprägt. Dadurch wird es für Organisationen immer wichtiger, sich mit der Förderung der mentalen Gesundheit ihrer Mitarbeitenden auseinanderzusetzen und ihre Resilienz zu stärken. Herausforderungen, wie das Gefühl zu haben, ständig erreichbar zu sein und komplexere Aufgaben in kürzerer Zeit erledigen zu müssen, können zu einer höheren Arbeitsbelastung und mehr Krankheitstagen führen. Es ist daher nicht nur eine moralische, sondern auch eine wirtschaftliche Verpflichtung in das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu investieren.

Status Quo: Die Auswirkungen in Zahlen

Das Jahr 2023 verzeichnet voraussichtlich einen neuen Höchststand an Krankheitstagen aufgrund psychischer Erkrankungen. Das ergaben die Daten der Techniker Krankenkasse. Psychische Erkrankungen sind dabei der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Auch die Zahlen des DAK Psychreport sind besorgniserregend. Im Zehn-Jahres-Vergleich verzeichnete die DAK für Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen einen Anstieg von 52 %! Dabei liegt die Dauer einer durchschnittlichen Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung bei knapp 33 Tagen.

DAK Psychreport Zahlen

Auch das Stresslevel von Mitarbeitenden liegt bei einem Allzeithoch. Im Gallup State of the Global Workplace Report 2023 gaben 44 % der Befragten an, sich täglich sehr gestresst zu fühlen. Das Stresslevel resultiert mitunter in negativen Auswirkungen auf den Alltag und das Privatleben von Arbeitnehmenden.

Was verursacht diese negativen Entwicklungen? Viele Faktoren kommen hier zusammen – getrieben durch die Digitalisierung nimmt die Dynamik der Arbeitswelt zu, Menschen müssen in kürzerer Zeit mehr leisten, ständig erreichbar sein und es wird immer schwieriger, ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu realisieren. Dazu kommen Permakrisen wie der Klimawandel und die Pandemie, die Menschen körperlich und mental einiges abverlangen. Es ist nicht abzustreiten, dass Resilienz und mentale Gesundheit einen hohen Stellenwert einnehmen müssen. Die hohen Krankheitstage zeigen außerdem eine finanzielle Komponente. Für Unternehmen lohnt es sich nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Perspektive, etwas zu verändern.

Wie können wir mentale Gesundheit in Organisationen fördern?

Unser Leben ist von ständigem Stimulus geprägt und wir verbringen einen Großteil unserer Zeit vor Bildschirmen. Den Wert von Erholung anzuerkennen ist daher der erste Schritt. Menschen brauchen Erholungsphasen, um nachhaltig leistungsfähig zu sein. Das bedeutet auf der einen Seite, überhaupt Zeit für Erholung zu haben – zum Beispiel nicht von einem ins nächste Meeting zu springen, sondern zwischendurch eine Pause einlegen zu können. Und auf der anderen Seite ist auch die Erfahrung während der Erholungsphase entscheidend. 

Fühlen sich Mitarbeitende unter Druck gesetzt, ständig erreichbar sein zu müssen, können sie sich auch am Wochenende mental nicht von der Arbeit distanzieren und ausreichend abschalten. Zu bedenken ist auch, dass Erholung nicht für alle Menschen gleich aussieht. Personen mit einem körperlich anstrengenden Job brauchen ganz andere Formen der Erholung wie Personen, die viel im digitalen Raum arbeiten.

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Mit ausreichend Erholung ist also alles in Ordnung? Nein. Ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement zielt darauf ab, Arbeit so zu gestalten, dass sie den Menschen stärkt und nicht schwächt.

Die Unternehmenskultur als wichtigster Hebel

Die Unternehmenskultur und wie sie gelebt wird, bilden das Fundament für gesundes Arbeiten. In einer Kultur der psychologischen Sicherheit können Menschen gemeinsam auf Missstände reagieren und in den Dialog gehen. Psychologische Sicherheit schafft mithilfe von Vertrauen, Verletzlichkeit und Verantwortung ein Arbeitsklima, in dem Mitarbeitende ihre Meinungen frei äußern können. Ein Umfeld, in dem Mitarbeitende sich sicher fühlen, über ihre Herausforderungen zu sprechen und um Hilfe zu bitten, kann dazu beitragen, Stress zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Dafür braucht es vor allem sensibilisierte Führungskräfte. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Führungskräfte geschult werden und dass es enttabuisiert wird, über psychische Erkrankungen zu sprechen.

Eine positive Unternehmenskultur fördert außerdem die Implementierung von Ressourcen und Programmen zur Förderung der mentalen Gesundheit und Resilienz. Dazu können beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle gehören, die es den Mitarbeitenden ermöglichen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu finden. Aber auch Trainings hinsichtlich Stressbewältigung und Resilienz können psychologische Gesundheit unterstützen. Dabei ist wichtig anzumerken: Mentale Gesundheit und Resilienz sind nicht gleichzusetzen! Auch resiliente Menschen können psychisch krank werden.

Mit Trainings Resilienz stärken und Stress besser bewältigen

Kultur zu gestalten, ist ein langfristiger Prozess, der zum Beispiel mit Workshops und Trainings unterstützt werden kann. Resilienztraining kann Mitarbeitenden dabei helfen, effektive Stressbewältigungsstrategien zu entwickeln. Indem sie lernen, mit Stressoren umzugehen und resilienter auf herausfordernde Situationen zu reagieren, können sie ihre psychische Belastbarkeit stärken und ihre mentale Gesundheit verbessern. Auch im Umgang mit Emotionen kann Resilienztraining unterstützen, indem es Mitarbeitenden hilft, ihre Emotionen besser zu verstehen und zu regulieren.

Um das Thema nachhaltig in einer Organisation zu etablieren, braucht es in erster Linie ein Bewusstsein dafür. Auch wenn Resilienz im Arbeitskontext immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist der Begriff für viele noch sehr abstrakt. 

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Es ist daher wichtig, das Thema so zu platzieren, dass es für alle verständlich ist und jede Person einen Bezug herstellen kann. Dafür kann es förderlich sein, Resilienz zunächst mit anderen Themen, wie beispielsweise Konfliktlösung, zu verbinden. Wichtig ist auch, sich frühzeitig mit Resilienz auseinandersetzen und nicht erst dann zu reagieren, wenn die Situation schon sehr belastend ist. 

Phasen mit hohem Stresslevel eignen sich nicht gut für den Aufbau von Resilienz. Maßnahmen sollten stattdessen präventiv geplant werden und Mitarbeitenden das nötige Werkzeug an die Hand geben, um besser mit Herausforderungen umgehen zu können. Eine ganzheitliche Strategie adressiert Resilienz außerdem auf individueller, Team- und Organisationsebene.

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Kulturveränderung passiert nicht von heute auf morgen. Aber es gibt kleine Dinge, die Organisationen schon jetzt einführen können, um ihre Mitarbeitenden zu unterstützen. Hier einige Beispiele:  

Mental Health Day

Psychische Herausforderungen können genauso Anlass für Arbeitsunfähigkeit geben wie eine Grippe oder andere Erkrankungen. Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich ohne Konkretisierung einen Tag frei nehmen zu können, erkennt dies an und entlastet die Mitarbeitenden.

Fokustage

Tage mit vielen aufeinanderfolgenden Meetings können für Mitarbeitende sehr belastend sein und oft resultieren sie darin, dass Tätigkeiten zu kurz kommen und Aufgabendruck entsteht. (Wöchentliche) Fokustage ohne Termine können Abhilfe schaffen.

Achtsamkeit-Sessions

Wir haben es alle schon mal gehört: „Bei Stress versuch es doch mal mit Yoga“. So einfach ist es natürlich nicht. Allerdings ist bewiesen, dass kurze Achtsamkeitspausen und Bewegung sich positiv auf unsere Hirnaktivität auswirken. Warum also nicht gemeinsam im Team 10 Minuten Zeit für Stretching oder ähnliches vereinbaren?

Mental Health First Aid (MHFA) Ersthelfer*innen

Mentale Krankheiten sind eine der größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit, dennoch ist Erste Hilfe für psychische Gesundheit noch nicht weit verbreitet. Personen in der Organisation zu MHFA Ersthelfer*innen ausbilden zu lassen, setzt ein Zeichen gegen Stigmatisierung und bietet Handlungsmöglichkeiten in akuten Situationen.

Show & Tell Meetings

Bei Show & Tells geht es häufig darum, eigene Arbeitsfortschritte zu demonstrieren und sich darüber auszutauschen. In inhaltlich ausgerichteten Meetings können wichtige Themen besprochen werden, zum Beispiel Show & Tell zu Depressionen oder Angsterkrankungen.

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FAZIT

Ein so komplexes und umfangreiches Thema in der Organisation zu verankern, ist ein langfristiger Prozess, aber durch gezielte Maßnahmen und eine unterstützende Unternehmenskultur können Organisationen einen positiven Beitrag zum Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden leisten. Es liegt in ihrer Verantwortung als Arbeitgeber*innen, ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen, das es den Mitarbeitenden ermöglicht, ihr volles Potenzial zu entfalten.

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Jacqueline Soldan
Marketing Managerin
Als Marketing Managerin bei troodi ist Jacqueline in sämtliche Marketing Aktivitäten über verschiedene Kanäle involviert. Ihren professionellen Hintergrund hat sie im Event Management mit einem Bachelor in International Business Communication, Schwerpunkt Marketing und Personalmanagement.

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